Interkulturelles Training: So wird interkulturelle Kompetenz vermittelt

Interkulturelle Kompetenz

Internationale Mitarbeiter gehören längst zur deutschen Arbeitswelt. Ihre Zahl wächst und mit ihr die Bedeutung interkultureller Kompetenz in deutschen Unternehmen. Ist ein interkulturelles Training auch für Ihre Mitarbeiter nützlich? Wir liefern Ihnen Infos, um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern. In diesem Beitrag finden Sie heraus, was Ihre Mitarbeiter in einem interkulturellen Training lernen:
Was bedeutet interkulturelle Kompetenz und wie wird sie vermittelt?

Ob Sie Mitarbeiter aus Ihrer Belegschaft ins Ausland entsenden oder ob Sie Bewerber aus dem Ausland in Ihrem Team in Deutschland einsetzen, gute Vorbereitung ist angesagt: Schließlich wünschen sich eine erfolgreiche Zusammenarbeit ohne interkulturelle Missverständnisse.
Mit einem interkulturellen Training können Sie die Weichen stellen – und das ist nicht nur sinnvoll für Menschen, die sich in eine neue Kultur einfinden müssen, sondern auch für das Team in Deutschland, das die „Aufnahmekultur“ bildet. Denn interkulturelle Kompetenz ist für eine gelingende Kommunikation, Begegnung und Kooperation zwischen Menschen aus verschiedenen Kulturen von beiden Seiten gefragt. Und sie erfordert mehr als reines Wissen.

Interkulturelle Kompetenz ist mehr als reines kulturelles Wissen

In Deutschland gehört es sich, pünktlich zu erscheinen und wer mit Indern zusammenarbeitet, sollte sich nach der Familie erkundigen, wenn er die Geschäftsbeziehung erfolgreich gestalten will. In Deutschland gibt man sich zur Begrüßung die Hand, in Japan verbeugt man sich voreinander, in Italien ist eine Umarmung nicht unüblich: Informationen über Benimmregeln oder Formen der Begrüßung sind nützlich, reichen für eine erfolgreiche interkulturelle Arbeitsatmosphäre aber nicht immer aus.

Neben kulturspezifischem Wissen ist ebenso soziale Kompetenz gefordert, um interkulturelle Herausforderungen gekonnt zu meistern. Sensibilität für kulturelle Unterschiede, Selbstreflexion, Empathie und kommunikative Stärken sind wichtige Voraussetzungen. Diese Fertigkeiten können mithilfe eines interkulturellen Trainings gestärkt werden.

Das erfahren Sie in diesem Beitrag:

  • Interkulturelles Training – Was ist das?
  •  Für wen eignet sich ein interkulturelles Training?
  • Wie wird interkulturelle Kompetenz vermittelt?
  • Wie läuft ein interkulturelles Training ab?
  • Kulturallgemeines oder kulturspezifisches Training?
  • Interkulturelles Training: Dauer, Kosten, Ort
  • Wie findet man den richtigen Anbieter?

Interkulturelles Training – Was ist das?

Ein interkulturelles Training umfasst Maßnahmen zur Vermittlung interkultureller Kompetenz: Die Teilnehmer erwerben Fertigkeiten, um in interkulturellen Situationen angemessen und effektiv zu handeln.

Interkulturelle Kompetenz

  • Sachkompetenzen, z.B. Länderspezifisches und kulturspezifisches Wissen
  • Sozialkompetenzen, z.B. Empathie und Kommunikationskompetenz
  • Selbstkompetenzen, z.B. Selbstreflexion und Selbstkontrolle

Für wen eignet sich ein interkulturelles Training?

Viele internationale Unternehmen setzen auf interkulturelles Training, wenn es darum geht, Mitarbeiter auf einen bevorstehenden Einsatz als Expatriate am Auslandsstandort vorzubereiten.

Bei der wachsenden Zahl ausländischer Beschäftigter in Deutschland gewinnen zudem interkulturelle Trainings für zwei weitere Zielgruppen immer mehr an Bedeutung:
Für Mitarbeiter aus dem Ausland, die das Team vor Ort unterstützen und für die Teams, die die neuen Kollegen aus dem Ausland in die Firmenabläufe und die Arbeitskultur integrieren sollen.

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Wie wird interkulturelle Kompetenz vermittelt?

Interkulturelle Trainings können sich auf eine Kultur beziehen oder allgemein interkulturell sensibilisieren. Die Herangehensweise kann entweder didaktisch oder erfahrungsorientiert sein.
In Bezug auf Inhalt und Methodik können vier Formen interkultureller Trainings unterschieden werden:

Formen interkultureller Trainings

  • Kulturspezifisch-didaktische Trainings
  • Kulturallgemein-didaktische Trainings
  • Kulturspezifisch-erfahrungsorientierte Trainings
  • Kulturspezifisch-erfahrungsorientierte Trainings

In kulturallgemeinen Trainings sollen die Teilnehmenden ein Bewusstsein für den Einfluss der Kultur auf das Verhalten und das Handeln von Menschen entwickeln, sowohl auf ihr eigenes als auch auf die fremdkulturelle Prägung. Die Schwierigkeit ist, sich auf eine fremde Kultur einzulassen. Es geht darum, sich Vorurteile und Ängste bewusst zu machen, also um allgemeine interkulturelle Sensibilisierung.

Bei kulturspezifischen Trainings geht es darum, auf eine bestimmte Kultur vorzubereiten. Vermittelt wird u.a. Wissen zu Geografie, Geschichte, Sprache, Bevölkerung, Religionen über kulturelle Werte und Normen, soziale Verhaltensregeln, Kommunikation usw.
Bei didaktischen (oder inhaltsorientierten) Trainings steht die kognitive Lernebene im Fokus. Hier geht es um die Vermittlung von Informationen und Wissen durch beispielsweise Vorträge und Diskussionen.

Bei erfahrungsorientierten bzw. interaktiven Trainings liegt der Schwerpunkt auf dem Prozesscharakter interkultureller Begegnungen. Mit Rollenspielen und Simulationen zum Beispiel erfahren die Teilnehmenden einen Perspektivwechsel und wie Kulturen Einfluss auf das Erleben, Wahrnehmen und Handeln von Menschen haben.

Kulturallgemeines oder kulturspezifisches Training?

In einem interaktiven kulturallgemeinen Training, lernen die Teilnehmer durch Simulation und Rollenspiele, wie es sich anfühlt mit Menschen fiktiver Kulturen zu interagieren, deren Verhalten sie mit dem eigenen Wissen und Interpretationsvermögen nicht verstehen.

Sie erfahren, was es bedeutet sich in einer nicht vertrauten Situation zu befinden, für deren Bewältigung das eigene erlernte kulturelle System – Wissen, Verhaltenskodex, Kommunikationsformen – nicht hilft: Desorientierung als Lernerfahrung führt hier vor Augen, wie sehr menschliches Handeln und Wahrnehmen von der eigenen Kultur geprägt ist. Das Training macht eigene kulturelle Haltungen und Vorurteile deutlich und vermittelt allgemeine Handlungsstrategien und kommunikative Fähigkeiten für interkulturelle Situationen.

Im kulturspezifischen interaktiven Training arbeitet der Trainer auch mit Rollenspielen und Simulation, doch geht es hier um eine reelle Kultur.
Wie genau entsprechende Trainings bzw. Rollenspiele aussehen und wirken wird in diesem Bericht sehr schön deutlich gemacht.

Für einen Mitarbeiter aus dem Ausland, der Ihre deutsche Belegschaft bereichert, könnte sich ein (Deutschland-)kulturspezifisches Training eignen.
Je nachdem, ob Sie gezielt in einem bestimmten Land Personal rekrutieren, könnte sich für Ihr Team in Deutschland auch das kulturspezifische Training eignen.

Wenn Sie ein multikulturelles Team haben oder in Begriff sind, Mitarbeiter aus verschiedenen Ländern einzustellen, könnte ein kulturallgemeines Training sinnvoll sein. Lassen Sie sich vom Anbieter Ihrer Wahl beraten und aufzeigen, welches Training für Ihr Unternehmen und Ihre Mitarbeiter sinnvoll ist.

Interkulturelles Training: Dauer, Kosten, Ort

Oft geben Ihnen Anbieter die Wahl zwischen offenem Training und Inhouse-Training.
Beim Inhouse-Training wird das Weiterbildungsprogramm mit Ihnen abgestimmt und im Rahmen Ihrer Wünsche und Vorstellungen zusammengestellt. Das Training kann bei Ihnen im Haus stattfinden, der zeitliche Rahmen muss mit dem Anbieter abgestimmt werden.

Bei offenen Trainings handelt es sich um regelmäßige Angebote, die im Programm der Anbieter verankert sind. Ort und Termine sind vorab festgelegt.
Die Dauer interkultureller Trainings variiert in der Regel zwischen 1-3 Tagen. Auch die Preise variieren je nach Anbieter enorm.

Wie findet man den richtigen Anbieter?

Das Angebot an Anbietern im Bereich interkultureller Trainings ist umfangreich. Um einen seriösen und kompetenten Trainer mit einem passenden Angebot zu finden, sollten Sie in Erfahrung bringen, welchen Werdegang und welche Qualifikationen die Trainer mitbringen. Haben sie relevante Auslandserfahrung gesammelt, bringen sie eine passende Ausbildung mit? Informieren Sie sich, mit welchen Materialien gearbeitet wird, ob die Teilnehmenden auch ausführliches Verweismaterial erhalten, um sich eigenständig weiter mit der Thematik zu befassen.

Auch wichtig für Ihre Beurteilung, dürfte sein, wie sich der Anbieter vorbereitet und auf Ihren Bedarf und den Ihrer Mitarbeiter eingeht. Ermittelt der Anbieter den Stand Ihrer Mitarbeiter, ihre interkulturellen Erfahrungswerte und welche Themen für das Training besonders relevant sind?

Auch in unserem Blog: Vor elf Jahren kam Shyam Machiraju aus Indien für sein Master-Studium nach Hamburg. Heute ist der Inder Ingenieur und Projektleiter in einem internationalen Unternehmen. Hier übernimmt er eine wichtige Rolle: Nicht nur als Fachmann des Ingenieurswesen, sondern auch als Kulturvermittler: Ein indischer Ingenieur in Deutschland berichtet. Auch interessant: Die interkulturellen Trainerin Emily Slate hat einen Gastbeitrag für unseren Blog geschrieben: Indische Mitarbeiter: So gelingt die Integration am Arbeitsplatz.

Beitragsbild: likee68 / Shutterstock.com

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