Von Spätzle bis Spießigkeit, das ist typisch deutsch: Ein Indonesier im Interview

Aus „Jam karet“  (Indonesisch für Gummiuhr) wird deutsche Pünktlichkeit und zum Frühstück gibt’s Weißwurst mit Bier. Kurz und knackig gibt es hier Antworten zum Leben in Deutschland von Imanuel Hakiki (24) aus Jakarta, Indonesien, der sein Studium der Umwelttechnik in Esslingen absolviert hat und Präsident der indonesischen Studentenvereinigung PPI Jerman ist. In einem vorigen Beitrag sprach er bereits im Interview über seine Erfahrungen mit der deutschen Kultur.

Employland: Imanuel, seit 2013 bist du in Deutschland. Lass uns doch ein bisschen an deinen Erfahrungen teilhaben. Bitte vervollständige unsere Sätze.
Die typisch deutsche Erfahrung, die ich gemacht habe, ist …

 

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Bayrisches Weißwurstfrühstück Urheber: demarco-media

Imanuel: Erstens, Weißwurstfrühstück. (Lacht) Morgens um neun Uhr hab ich Weißwurst gegessen und Bier getrunken. Das macht keiner, außer die Menschen in Bayern. Und, zweitens, das Thermalbad ist meiner Meinung nach auch typisch deutsch. Das ist natürliches Warmwasser aus dem Erdreich, in dem man baden kann. Es ist wie ein Schwimmbad, aber anstatt normalem Wasser ist es natürliches Wasser mit Mineralien aus der Erde. Das war wirklich enstpannend.

Employland: Die beste deutsche Eigenschaft ist…

Imanuel: Pünktlichkeit.

Employland: Die unangenehmste deutsche Eigenschaft ist…

Imanuel: Spießigkeit.

Employland: Die drei Dinge aus Indonesien, die ich am meisten vermisse, sind…

Imanuel: Frischer Fisch, generell Essen und die Strände.

Employland: Jemand, der nach Deutschland kommt, sollte unbedingt mitbringen:

Imanuel: Unsere indonesischen Kretek-Zigaretten. Da ist nicht nur Tabak drin, sondern auch Nelke. Wenn man sie raucht und die Nelke verbrennt, entsteht ein Geräusch „Kretek, Kretek, Kretek“. Daher kommt der Name. So etwas gibt es nur bei uns.

Employland: Das beste Essen, das ich je in Deutschland gegessen habe, ist…

Imanuel: Krustenbraten mit Spätzle

Krustebraten Spaetzle PPI Jerman Indonesier
Foto: prill

Employland: Was ist eine indonesische Angewohnheit, die du dir abgewöhnt hast?

Das Rauchen. Weil ich keine Kretek-Zigaretten mehr habe. Rauchen kostet hier meiner Meinung nach viel zu viel. Bei uns kriegt man eine Schachtel für einen Euro. Hier muss man sechs Euro zahlen und das finde ich unmenschlich.

Employland: Eine Eigenschaft, die ich in Deutschland übernommen habe:

Imanuel: Die Pünktlichkeit. Wir typischen Indonesier sind gar nicht pünktlich. Wir haben sogar ein Wort dafür: Jam karet. „Jam“ ist eine Uhr und „Karet“ heißt Gummi. Das bedeutet, unsere Uhr ist wie Gummi: Die Zeit ist sehr dehnbar. Diese Gewohnheit, die deutsche Pünktlichkeit, ist jetzt bei mir so eingeprägt, dass ich vom Jamkaret richtig genervt war, als ich vor zwei Monaten zu Hause war. Und das hat sich bei den meisten von uns Indonesiern, die hier studieren, so entwickelt. Alles soll gut geplant sein: Was ich jetzt mache, was ich morgen mache, wann genau ein Termin ist und was genau wir dann machen werden und wie lange es dauert und so weiter.

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Blick auf die Straße in der Tuebinger Altstadt Foto: villy_yovcheva

Employland: Und beende, bitte, auch diesen Satz: Ich freue mich in Deutschland zu sein, wenn…

Imanuel: … ich in der Altstadt bin. Dann kann ich mir direkt vorstellen, wie es im Mittelalter war und dann sag ich mir: „Wow, ich bin in Europa“.

Auch in unserem Blog: Naked greetings in the sauna, a bakery on every corner, and – ha – German buses do run late! Megan Lester, a 23-year-old from Portland, Oregon (USA), shares her experiences from spending the past 7 months as an English teaching assistant with the Fulbright program in Germany. Since August 2015, she has lived in Hamburg, working as an English teaching assistant. Also read: After working in the aircraft industry in Germany, Oriana Menabue (27) from Caracas, Venezuela is now pursuing a Master’s degree in Global Logistics and Supply Chain Management in Hamburg. How did she find her way to Germany? What’s good, bad, and just plain weird about her new home? She shares this and more in an interview with Employland.

2 thoughts to “Von Spätzle bis Spießigkeit, das ist typisch deutsch: Ein Indonesier im Interview”

  1. Lieber Octav Setiadji,

    vielen Dank, wir freuen uns sehr über die positive Rückmeldung! Mögen Sie auch Ihre Erfahrungen oder Sichtweisen mit uns teilen? Was ist eine typisch deutsche Erfahrung, die Sie gemacht haben? Oder: Was ist nach Ihrem Geschmack das beste deutsche Gericht? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar!

    Besten Gruß,
    Ihr Employland-Team

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