MINT-Herbstreport 2016 – Deutschland braucht mehr Zuwanderer

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Zuwanderer leisten einen wichtigen Beitrag gegen den Fachkräftemangel in Deutschland – und zwar, in den Berufsbereichen, die besonders wichtig für die Innovationskraft des Landes sind: als Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler und Techniker (MINT). Die Erwerbstätigkeit von MINT-Akademikern ist von 2011 bis 2014 um rund 84.000 pro Jahr gestiegen. Das besagt der MINT-Herbstreport 2016 des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln). Zur Verbesserung der Lage bedarf es einer gezielten Zuwanderungspolitik, so das Fazit.

Unternehmen in Deutschland seien stärker denn je auf MINT-Fachkräfte angewiesen, um die Chancen der Digitalisierung voll ausschöpfen zu können. Gleichzeitig sei die Fachkräftelücke so groß ist wie nie zuvor, so das IW Köln: Im Oktober 2016 gab es im MINT-Bereich 212.000 mehr offene Stellen als verfügbare Arbeitskräfte – die Kluft war damit 9 Prozent größer als ein Jahr zuvor. Ohne die wachsende Zahl ausländischer Fachkräfte, wäre die Lücke noch größer, deren Anteil an den MINT-Fachkräften wächst:  im Zeitraum von 2011 bis 2014 an – von 14,3 Prozent auf 16,6 Prozent unter MINT-Akademikern und von 11,9 Prozent auf 13,0 Prozent unter beruflich qualifizierten MINT-Kräften. Insgesamt waren im Jahr 2014 rund 434.500 zugewanderte MINT-Akademiker und 1.186.500 zugewanderte beruflich qualifizierte MINT-Kräfte erwerbstätig.

Keine Beschäftigungsgewinne ohne Ausländer in MINT-Facharbeiterberufen

Von Ende 2012 bis Anfang 2016 ist die Zahl der beschäftigten MINT-Akademiker ausländischer Herkunft laut IW sogar um 36 Prozent gestiegen, die ihrer deutschen Kollegen dagegen nur um 10 Prozent. Bei Meistern und Technikern war die Beschäftigungsdynamik noch unterschiedlicher. Facharbeiterberufe würden ohne ausländisches Personal gar keine Beschäftigungsgewinne mehr verzeichnen. Das IW Köln fordert deshalb: Deutschland braucht eine gezielte Zuwanderungspolitk.

Personalmangel gravierendes Problem für den Osten Deutschlands

Auch wenn alle Regionen unter Personalmangel leiden, haben Landesteile, in denen der Anteil der ausländischen Kollegen an allen MINT-Beschäftigten bereits jetzt hoch ist, in Zukunft bessere Chancen, die Lücke zu schließen. Baden-Württemberg steht hier mit knapp 12 Prozent derzeit an der Spitze, es folgen das Saarland, Hessen und Bayern. Am Ende der Skala rangieren die fünf ostdeutschen Bundesländer. Auf lange Sicht ist das ein gravierendes Problem, denn dort sind bereits jetzt überdurchschnittlich viele Beschäftigte älter als 55 Jahre.

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Der Zuzug der Flüchtlinge kommt dem MINT-Arbeitsmarkt zugute Foto: michaeljung

Auch der Zuzug der Flüchtlinge kommt dem MINT-Arbeitsmarkt zugute. Bis 2020 könnten demnach zwischen 24.000 und 40.000 Flüchtlinge einen Arbeitsplatz in einem MINT-Beruf besetzen. Das Personalproblem ließe sich allein mit ihnen aber nicht lösen. Vielmehr braucht es eine gezielte Zuwanderungspolitik, um genügend ausländische Fachkräfte für Deutschland zu gewinnen.
Schon heute sei die wirtschaftliche Bedeutung aller ausländischen Erwerbstätigen im MINT-Bereich laut IW Köln hoch:
Insgesamt trugen die 1,6 Millionen zugewanderten MINT-Erwerbstätigen 2014 rund 157 Milliarden Euro zur gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung bei.

Viele der Zuwanderer arbeiten in der Industrie

Viele dieser Zuwanderer arbeiten in der Industrie. Bei den 435.000 MINT-Akademikern ausländischer Herkunft betrug der Anteil zuletzt mehr als ein Drittel, bei den knapp 1.200.000 zugewanderten beruflich qualifizierten Kräften waren es sogar rund 60 Prozent.

In jüngster Zeit habe sich das Ranking der Herkunftsländer deutlich verschoben, so das IW Köln – zumindest bei den erwerbstätigen MINT-Akademikern. Zwischen 2005 und 2009 kamen die neu zugewanderten MINT-Experten vornehmlich aus China (6.100), Frankreich (3.600) und Russland (3.500). In den Jahren 2010 bis 2014 lagen Polen (8.400), Spanien (7.900) und Indien (7.500) vorn. Die wichtigsten Herkunftsländer neu zugewanderter MINT-Kräfte mit beruflichen Abschlüssen waren dagegen in beiden Zeiträumen Polen, Rumänien und Ungarn.

Auch in unserem Blog: Ein Fachkräftemangel zeigt sich in Deutschland bereits heute in einigen Branchen, in Zukunft wird er sich weiter zuspitzen. Vor diesem Hintergrund wird deutlich: Deutschland braucht ausländische Fachkräfte. Beate Spyrou, Projektleiterin vom IQ Netzwerk Hamburg – NOBI, berichtet in ihrem Gastbeitrag von Maßnahmen, die auf die Anerkennung von Auslandsqualifikationen und die berufliche Integration von Migranten in Hamburg abzielen.

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