IW Köln-Studie: Fachkräfte aus Drittstaaten gesucht

Fachkräfte aus Drittstaaten

Will Deutschland sein Wachstum und Wohlstand sichern, ist es laut einer neuen Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) verstärkt auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen. In den vergangenen Jahren hat ein deutlicher Beschäftigungsaufbau stattgefunden, der ohne Zuwanderung kaum realisierbar gewesen wäre. Das Institut empfiehlt, Deutschland noch attraktiver für internationale Fachkräfte zu machen. Wichtig sei auch, junge Menschen für eine Ausbildung in Deutschland zu gewinnen und im Land zu halten. Vor allem die Zuwanderung durch Fachkräfte aus Drittstaaten gewinnt immer mehr an Bedeutung.

 

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist zwischen Juni 2012 und Juni 2017 um insgesamt 2,88 Millionen auf 32,16 Millionen gestiegen, den bisher höchsten Wert in Deutschland. Die IW-Zahlen zeigen, wie wichtig Zuwanderung dabei für das deutsche Wirtschaftssystem ist:

Die Beschäftigung von Inländern ist im entsprechenden Zaitraum um 1,61 Millionen und die von Ausländern um 1,28 Millionen gestiegen. Zwei Drittel der ausländischen Beschäftigten (889.000) waren EU-Ausländer. Drittstaatenangehörige, also Nicht-EU-Ausländer, machten mit 386.000 rund 30 Prozent aus.

Die EU-Zuwanderung erreichte im vergangenen Jahr sogar einen Rekordwert: 439.000 Personen kamen aus anderen EU-Ländern nach Deutschland  – so viele wie nie zuvor. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels in Deutschland ist das zwar eine gute Nachricht, doch wird Deutschland zukünftig zunehmend auf Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern angewiesen sein:

„Auch die anderen EU-Länder sind vom demografischen Wandel betroffen. Deshalb wird es künftig immer wichtiger, dass Deutschland auch aus Staaten außerhalb der EU qualifizierte Fachkräfte gewinnt“, so Dr. Gido Weis vom IW Köln und Autor der Studie.

Die Studie liefert auch Einblicke, welche Tätigkeiten Drittstaatenangehörige in Deutschland ausüben: Zuwanderer aus Indien und China beispielsweise arbeiten in Deutschland besonders oft als Akademiker, während Beschäftigte aus den Balkanstaaten, der Türkei und aus Flüchtlingsherkunftsländern wesentlich häufiger als Helfer arbeiten.

 

Fachkräfte aus Drittstaaten
Quelle: Institut der Deutschen Wirtschaft Köln

 

Beschäftigte aus der Ukraine und Russland sind relativ häufig (25 Prozent) als Experten und Spezialisten tätig und haben mit weniger als einem Drittel einen vergleichsweise geringen Anteil an Helfern. Syrien sticht heraus: Viele Beschäftigte, fast die Hälfte, arbeiten als Helfer, gleichzeitig ist der Anteil der Akademiker mit 13 Prozent auch vergleichsweise hoch.

Diese Daten sind insbesondere vor dem Fachkräftemangel in Deutschland relevant. Die deutsche Wirtschaft ist auf gut qualifizierte Fachkräfte angewiesen, vor allem im naturwissenschaftlich-technischen Bereich sowie in der Gesundheits- und Pflegebranche, während der Bedarf an Helfern laut IW Köln langfristig von Inländern und Geflüchteten gedeckt werden dürfte.

Das IW Köln gibt zwei Handlungsempfehlungen:

  • Die Einreise- und Aufenthaltsregelungen sollten transparenter gemacht werden. Die vielen Zugangswege zum deutschen Arbeitsmarkt für hochqualifizierte Fachkräfte seien unübersichtlich und das führten zu Unsicherheit bei Fachkräften und Unternehmen.
  • Deutschland sollte neben der Erwerbszuwanderung gezielt auch auf die Anwerbung jungen Menschen in Drittstaaten setzen, um diese für eine Ausbildung oder ein Studium in Deutschland zu gewinnen, und deren Verbleib im Land fördern. Einen entsprechenden Erfolg zeige sich am Beispiel China: So lebten 2014 rund 10.600 chinesische Akademiker in Deutschland, die zum Studium ins Land gekommen sind und ihren Abschluss zwischen 2009 und 2014 gemacht haben.

 

Auch in unserem Blog: Der Gesundheitsbereich ist besonders stark auf ausländisches Personal angewiesen. Das Klinikum Itzehoe kann davon ein Liedchen singen. Mit drei verschiedenen Personaldienstleistern haben die stellvertretende Personalleiterin Wienke Petersen und Michael Haack, Pflegebereichsleiter der Intensivstation, zusammengearbeitet, um das Auslandsrecruiting zu erproben und mit ausländischen Mitarbeitern dem zunehmenden Fachkräftemangel zu begegnen. Dabei galt es, bürokratische Hürden des Anerkennungsverfahrens zu meistern und die ausländischen Krankenpfleger in den deutschen Arbeitsalltag zu integrieren: Klinikum Itzehoe: Ausländische Mitarbeiter gegen den Fachkräftemangel.

Junge Menschen aus dem Ausland für eine Ausbildung in Deutschland gewinnen? Woflgang Nickel macht vor, wie das geht: Wolfgang Nickel fehlt Personal für seinen Hotelbetrieb, also holt er Auszubildende aus Indonesien nach Deutschland. Doch weil er mit dem Lehrlingsmangel kein Einzelfall ist, stehen bald schon Unternehmen aus ganz Deutschland bei ihm Schlange: Inzwischen hat Nickel 68 junge Indonesier für eine Ausbildung an deutsche Betriebe vermittelt. 1600 Vermittlungsanfragen hat er von weiteren Betrieben: Indonesische Auszubildende gegen den Lehrlingsmangel? Best Practice

Beitragsbild:  Wavebreakmedia / Istockphoto.com

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