So viel Zuwanderung braucht Deutschland – Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern besonders gefragt

Fachkräfte aus Drittstaaten

Bereits heute verzeichnet der deutsche Mittelstand aufgrund des Fachkräftemangels Umsatzeinbußen in Milliardenhöhe. Deutschland braucht in den kommenden Jahren und Jahrzehnten Fachkräfte in Millionenhöhe. Nicht nur auf Akademiker, sondern auch auf Nicht-Akademiker ist Deutschland angewiesen, um seine starke Wirtschaftsleistung halten zu können. Dabei wird die Zuwanderung aus Nicht-EU-Ländern zunehmend wichtig. Infos aus unserem Fact Sheet:

Was heut‘ schon ist, wird zukünftig schlimmer: Unternehmen haben heute bereits Schwierigkeiten, ihre Stellen zu besetzen. Die Folge: lange Vakanzen. Das schadet den Unternehmen und langfristig dem Wirtschaftsstandort Deutschland. Besonders betroffen sind die Gesundheits- und Pflegebranche und der MINT-Bereich, der die Berufe der Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler und Techniker umfasst.

Personal im MINT- und im Pflegebereich besonders gefragt

Im MINT-Bereich zeigt sich der wachsende Engpass besonders stark bei den nicht-akademischen Fachkräften. Laut Institut der deutschen Wirtschaft Köln wird die Zahl der erwerbstätigen MINT-Fachkräfte mit Berufsausbildung bis 2025 um knapp 500.000 sinken. Bis 2020 werden außerdem laut Studie der PricewaterhouseCoopers AG  56.000 Ärzte und 140.000 nicht-akademische Fachkräfte im Gesundheits- und Pflegebereich fehlen. 2030 spitzt sich der Fachkräfteengpass weiter zu: Dann fehlen Deutschland 165.000 Ärzte und 800.000 Fachkräfte.

Ursache für diese Entwicklung des Arbeitskräfteangebots ist der Demografiewandel. Während die deutsche Bevölkerung schrumpft, weil die Geburtenrate sehr niedrig ist, werden die Menschen in Deutschland gleichzeitig auch immer älter. Deutschland hat eine immer kleiner und immer älter werdende Bevölkerung. Das wirkt sich entsprechend auf das sogenannte Erwerbspersonenpotenzial, also die potenzielle Arbeitsbevölkerung, aus.

Wirkung des Demografiewandels zeigt sich ab 2030 besonders stark

Besonders zu spüren bekommt der deutsche Arbeitsmarkt die Wirkung des Demografiewandels ab dem Jahr 2030. Denn dann geht die Generation in Rente, die 1964 als geburtenstärkster Jahrgang auf die Welt kam. Nach 1964 sank die Geburtenrate. Das bedeutet: Es fehlen genügend Arbeitskräfte, die den Platz einnehmen, den die angehenden Rentner in wenigen Jahren freiräumen. Es fehlt aber nicht nur der Ersatz. Die steigende Zahl Älterer führt auch zu einem wachsenden Bedarf an Pflegeleistungen und somit zur steigenden Nachfrage nach entsprechenden Fachkräften. Und auch die innovative MINT-Branche zeichnet sich durch Wachstum aus. Auch hier entstehen neue Arbeitsplätze. Es besteht in Bezug auf den Fachkräftebedarf nicht nur der sogenannte Ersatz-, sondern auch der Expansionsbedarf.

Mangel Pflegekräfte Personal
Die Gesundheits- und Pflegebranche ist besonders stark auf internationale Fachkräfte angewiesen Foto: kzenon

Jährliche Nettozuwanderung von 400.000 Zuwanderern notwendig

Dass Deutschland handeln muss, hat die Bundesregierung längst erkannt und die sogenannte Fachkräfte-Offensive gestartet. Dabei geht es unter anderem darum, das inländische Potenzial (z. B. die Erwerbstätigkeit von Frauen und Älteren erhöhen) auszuschöpfen. Da das aber nicht genügt, ist ein weiteres Ziel, die Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland zu steigern. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) prognostizierte jüngst, dass selbst bei steigenden inländischen Erwerbsquoten und einem durchschnittlichen jährlichen Wanderungssaldo von 200.000 Zuwanderern die potenzielle Arbeitsbevölkerung in Deutschland von 45,8 Millionen (2015) auf 44,5 Millionen bis 2030 und auf 38,9 Millionen Personen im Jahr 2060 sinken wird. Hingegen um das Erwerbspersonenpotenzial konstant zu halten, ist eine jährliche durchschnittliche Nettozuwanderung von 400.000 notwendig.

Zuwanderung aus Drittstaaten wird immer wichtiger

Deutschland hat in den vergangenen Jahren Rekordwerte der Zuwanderung erfahren. Im Jahr 2015 kamen 2,1 Millionen Zuwanderer nach Deutschland, unter ihnen 890.000 Geflüchtete. Diese können laut Zahlen des IAB den Fachkräftemangel aber nicht abfedern. Demnach haben 13 Prozent der Geflüchteten einen Hochschulabschluss und sechs Prozent einen beruflichen Abschluss. Die Mehrheit also steht dem Arbeitsmarkt vorerst für Tätigkeiten zur Verfügung, die keinen Abschluss voraussetzen. Auch die Zahl der Zuwanderer aus anderen EU-Ländern ist hoch, doch geht die Bertelsmann Stiftung davon aus, dass diese Zahl in der Zukunft sinken wird, wenn die Arbeitsmärkte der anderen EU-Länder, die besonders unter der Finanzkrise gelitten haben, wieder erstarken. So rechnet die Stiftung mit einem jährlichen Wanderungssaldo von 42.000 bis 70.000 jährlich bis 2050. Das bedeutet: Deutschland ist zunehmend auf Fachkräfte aus vor allem Drittstaaten angewiesen.

Deutschland Zuwanderung Nicht-EU
73 Prozent der mittelständischen Unternehmen in Deutschland beschäftigen ausländische Mitarbeiter Foto: Rawpixel

Deutsche Unternehmen setzen immer mehr auf ausländische Mitarbeiter

Immer mehr Unternehmen in Deutschland stellen laut KfW Research Mitarbeiter aus dem Ausland ein. Jeder zehnte sozialversicherungspflichtig Angestellte in Deutschland ist Ausländer. 73 Prozent der mittelständischen Unternehmen beschäftigen ausländische Mitarbeiter, im Verarbeitenden Gewerbe sind es sogar 93 Prozent. 55 Prozent der Mittelstandsbetriebe beschäftigen ausländische Mitarbeiter aus der EU, 30 Prozent beschäftigen Mitarbeiter aus Drittstaaten.
Die Bedeutung der Auslandsrekrutierung wächst außerdem zunehmend: In den vergangenen fünf Jahren haben 38 Prozent der mittelständischen Unternehmen gezielt nach Personal im Ausland gesucht. In den kommenden fünf Jahren wollen dies 52 Prozent tun. Und während elf Prozent in den vergangenen Jahren den Fokus auf Nicht-EU-Staaten legten, wollen das in der Zukunft 24 Prozent tun.

Zuwanderungsbedingungen verbessert: Anerkennungsgesetz und Blue Card

Deutschland hat es erkannt: Es ist dringend auf die Zuwanderung von Fachkräften angewiesen. Deshalb hat die Bundesregierung in den vergangenen Jahren kontinuierlich die Rahmenbedingungen für die Zuwanderung von Fachkräften verbessert. Dazu zählt unter anderem die Einführung des „Gesetzes zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen“ (Anerkennungsgesetz) oder der Blue Card für Akademiker aus Drittstaaten, aber auch die Öffnung des Arbeitsmarktzugangs für Nicht-Akademiker aus Drittstaaten.

Auch in unserem Blog: Die deutsche Wirtschaft floriert, doch der Fachkräftemangel bereitet Probleme: Dem Mittelstand fehlen qualifizierte Arbeitskräfte, Aufträge müssen abgelehnt werden und es kommt zu erheblichen Umsatzeinbußen: Studie: Fachkräftemangel – Mittelstand entgehen 50 Milliarden Euro Umsätze. In welchen Bereichen Arbeitgeber besonders Probleme haben, vakante Positionen zu besetzen, lesen Sie in diesem Beitrag.

2 thoughts to “So viel Zuwanderung braucht Deutschland – Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern besonders gefragt”

    1. Vielen Dank für Ihre Frage.
      Wer eine Ausbildung in Deutschland gemacht hat, darf in Deutschland arbeiten.
      Voraussetzung ist: Sie haben einen Arbeitsplatz gefunden oder können ein Arbeitsplatzangebot nachweisen. Sie benötigen also erst den Job, dann können Sie einen Aufenthaltstitel beantragen.

      Wer die Ausbildung nicht in Deutschland, sondern im Ausland absolviert hat, muss weitere Voraussetzungen erfüllen.
      Infos gibt die Seite Anerkennung in Deutschland im Absatz mit dem Titel „FÜR FACHKRÄFTE MIT BERUFSAUSBILDUNG“.

      Zum Beispiel muss der Beruf ein Mangelberuf in Deutschland sein (also: auf der Positivliste der Bundesagentur für Arbeit stehen).
      Auch muss die Ausbildung in Deutschland anerkannt sein.
      Rund um dieses Thema haben wir einige Beiträge zum Thema Anerkennung der Qualifikation. Die Website Anerkennung in Deutschland ist sonst auch eine wichtige Informationsquelle für diesen Bereich.

      Den Aufenthaltstitel beantragen Sie bei der deutschen Auslandsvertretung in Serbien.
      Hier finden Sie die Website der deutschen Botschaft in Belgrad.

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