Potenzial internationaler Studierender besser ausschöpfen

studieren Deutschland Internationalität

Der Wissenschaftsrat ruft Hochschulen und Politik zu mehr Engagement auf, um internationale Studierende zu gewinnen. Diese seien wertvoll in Zeiten des Fachkräftemangels. Was der Rat empfiehlt.

Internationale Studierende tragen in zunehmendem Maß dazu bei, den Bedarf der Wirtschaft an hochqualifizierten Fachkräften zu decken. Zugleich stärken sie die Wandlungsfähigkeit der Gesellschaft und bereichern die Hochschulen in Forschung und Lehre, so der Wissenschaftsrat. „Die leistungsbereiten jungen Menschen, die zum Studieren zu uns kommen, sind für Deutschland unverzichtbar“, betont Manfred Prenzel, Vorsitzender des Wissenschaftsrates. „Wir müssen aber noch deutlich mehr von ihnen zum Abschluss führen und beim Berufseinstieg noch besser Hilfestellung leisten.“

Empfehlungen des Wissenschaftsrats

Um den Studienerfolg und die Arbeitsmarktintegration internationaler Studierender zu gewährleisten, sei demnach notwendig:

  • Die Verfahren der Visavergabe sollten beschleunigt werden
  • Es bedarf einer Neuregelung des Hochschulzugangs für Drittstaatler:
    Diese sollte sich nicht wie bislang an der formalen Einordnung des jeweiligen Herkunftslandes, sondern an der individuellen Leistungsfähigkeit der Bewerber orientieren.
  • Das Angebot von fachlicher und sprachlicher Vorbereitung sollte ausgebaut werden
  • Eine frühzeitige Vernetzung mit Arbeitgebern sollte ermöglicht werden
  • Zeitlich flexible und gemischtsprachige Studiengängen, in denen der Deutschanteil über die Studienzeit hinweg stetig ansteigt, sollten angeboten werden: Das erhöht die Attraktivität des Hochschulstandorts Deutschland
  • Bei Marketing und Rekrutierung sollten die Hochschulen verstärkt die neuen Kommunikationswege sozialer Medien nutzen

Hochschulen als Wegbereiter der gesellschaftlichen Integration

Die Hochschulen können demnach für internationale Studierende Wegbereiter der gesellschaft­lichen Integration sein. Sie eröffnen Begegnungsmöglichkeiten, Bildungschancen und Entwicklungsperspektiven.
Diese Integrationsfähigkeit der Hochschulen ist insbesondere vor dem Hintergrund der hohen Flüchtlingszahlen von großer Bedeutung. „Wir dürfen keine Anstrengungen scheuen, um entsprechend geeignete Flüchtlinge auf ihrem schwierigen Weg in ein Studium zu unterstützen“, mahnt Prenzel. „Die studierenden Flüchtlinge von heute sind die Integrationsvorbilder von morgen.“

Flüchtlinge beim Übergang ins deutsche Bildungssystem unterstützen

In diesem Sinne wird empfohlen, die Qualifikationen von Flüchtlingen von Beginn an systematisch zu erfassen sowie Integrationskurse und Studienvorbereitung miteinander zu verzahnen. Eine wichtige Rolle können zudem mobile Bildungsberaterteams übernehmen, die Flüchtlinge proaktiv in ihren Unterkünften oder in Sprachkursen aufsuchen und sie beim Übergang in das deutsche Bildungssystem unterstützen.

Zugewanderte Akademiker als Potenzial für den Arbeitsmarkt

Für die Hochschulen stellen auch zugewanderte Akademikerinnen und Akademiker potenzielle Studierende dar. Teilweise hat diese Gruppe Schwierigkeiten, ihrer Qualifikation entsprechend auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Um das Potenzial akademisch qualifizierter Zuwanderinnen und Zuwanderer besser auszuschöpfen, spricht sich der Wissenschaftsrat für spezielle, zeitlich kompakte Studienprogramme aus. „Die Hochschulen dürfen nicht nur ins Ausland schielen“, fordert Prenzel. „Internationale Studierende, das können auch Personen sein, die zwar ihren Abschluss nicht hier erworben haben, aber schon in Deutschland leben.“

Die „Empfehlungen zur Gewinnung, Integration und Qualifizierung internationaler Studierender“ bilden den dritten Teil einer Empfehlungsreihe, die sich mit der Qualifizierung von Fachkräften vor dem Hintergrund des demographischen Wandels befasst.

Auch in unserem Blog: Lesen Sie das Interview mit einer Beraterin internationaler Studierender über die Herausforderungen bei deren Berufseinstieg. Statistiken zeigen, obwohl internationale Absolventen in Deutschland bleiben wollen, kehren sie nach dem Abschluss oft ins Herkunftsland zurück, denn sie finden keinen Job. Das ist ein großer Nachteil für Deutschland, das auf Zuwanderung angewiesen ist.

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