Fachkräftemangel – Die Lücke mit Frauen mindern

Potential ist da im Land, das will die Bundesregierung ausschöpfen: Den Fachkräftemangel, das heißt, die Lücke von sechs Millionen fehlenden Arbeitskräften bis 2025 will sie zum Beispiel damit mindern, Frauen mehr in Arbeit zu bringen. Diese seien „das größte und am schnellsten zu aktivierende Potential“ heißt es im Bericht zur Fachkräftesicherung des Arbeits- und Sozialministeriums.

Frauen wollen arbeiten

Aus diesem geht auch hervor: Deutschland kann nicht prahlen, wenn es um die Erwerbstätigkeit von Frauen geht. Laut Bericht:

 

  • In Nord- und Westeuropa ist die Erwerbsbeteiligung von Frauen wesentlich höher
  • Circa 6,3 Millionen Frauen im erwerbsfähigen Alter (20 bis 64 Jahre) in Deutschland arbeiten nicht, viele mit mittlerer und hoher Qualifikation
  • Nur knapp mehr als die Hälfte der berufstätigen Frauen gehen einer Vollzeitbeschäftigung nach (55 Prozent)
  • Weibliche Teilzeitkräfte in Deutschland haben mit einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 18,1 Stunden die niedrigste Wochenarbeitszeit in allen EU- 15-Ländern

Problem: Unvereinbarkeit von Beruf und Familie

Die Gründe? „Unzureichende Unterstützung durch die Betreuungsinfrastruktur für Kinder und bei der Pflege von Angehörigen sowie die mangelnde Flexibilität der Arbeitszeit,“ nennt der Bericht, also: Das Problem, Familie und Beruf zu vereinbaren.

Den Zahlen der geringen Erwerbstätigkeit von Frauen stehen die Zahlen der Frauen gegenüber, die gerne arbeiten würden:

  • Von den in Teilzeit berufstätigen Müttern würden 34 Prozent gerne länger arbeiten
  • Von den nichtberufstätigen Müttern wären 37 Prozent gern berufstätig
  • Von den nicht berufstätigen Alleinerziehenden würden sogar 54 Prozent gern arbeiten

Geschätzte rund 1,2 Millionen Frauen würden ins Berufsleben einsteigen und könnten den Fachkräftemangel reduzieren, wenn eine familienfreundliche Infrastruktur das zuließe, besagt der Bericht.

Maßnahmen für Frauen gegen den Fachkräftemangel

Deshalb hat die Bundesregierung sich zum Ziel gemacht, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern – mit diesen Inititativen und Maßnahmen:

 

Fortschrittsbericht besagt: Positiver Trend

Der Fortschrittsbericht zum Konzept der Bundesregierung, um den Fachkräftemangel zu beheben, gibt an, inwieweit die Ziele erreicht wurden.

  • Die Erwerbstätigenquote der Frauen (20 bis 64 Jahre) stieg von 71,6 Prozent (2012) auf 72,5 Prozent (2013)
  • Seit 2006 ist die Erwerbstätigenquote der Frauen kontinuierlich um insgesamt 7,5 Prozentpunkte gestiegen.
  • 52,6 Prozent der Mütter, deren jüngstes Kind unter drei Jahren alt war, arbeiteten im Jahr 2013 (2012: 51,8 Prozent)
  • 42,1 Prozent der Mütter, deren jüngstes Kind zwischen einem und unter zwei Jahren alt waren, waren erwerbstätig (2012: 41,4 Prozent)
  • 55 Prozent der Mütter, deren jüngstes Kind zwischen zwei und unter drei Jahren alt waren, waren erwerbstätig (2012: 54,3 Prozent)
  • Die Erwerbstätigenquote aller Mütter mit minder jährigen Kindern stieg auf 71,7 Prozent (2012: 71,2 Prozent)

Außerdem beansprucht mithilfe des Elterngeldes fast ein Drittel der Väter im Durschnitt 3,2 Monate Elternzeit, ihre Neugeborenen zu betreuen.
Sie unterstützen damit, dass die Mütter wieder beruflich einsteigen können.

Und: Jedes dritte Kind unter drei Jahren besucht eine Kita oder wird von einer Tagesmutter betreut.

Also: Immer mehr Mütter, auch mit kleineren Kindern, nehmen ihren Beruf wieder auf. Auch der Arbeitszeitumfang ist gestiegen.

Während im Fortschrittsbericht wegen dieser Ergebnisse von einem „positiven Trend“ die Rede ist, verweist er auf große Differenzen bei den Arbeitszeiten zwischen Frauen und Männern.

  • 45,8 Prozent aller erwerbstätigen Frauen arbeiten Teilzeit bis zu 30 Stunden. Nur neun Prozent aller erwerbstätigen Männer arbeiten Teilzeit.
  • Von den erwerbstätigen Müttern mit minderjähri gen Kindern arbeiten sogar 66,6 Prozent 30 Stunden oder weniger.
  • 12,6 Prozent aller Mütter arbeiten nur bis zu zehn Wochenstunden,
  • 30,0 Prozent aller Mütter arbeiten nur 11 bis 20 Wochenstunden

Politik und Wirtschaft müssen mehr tun

Deshalb, so heißt es, im Bericht, sei „eine familienfreundliche und auf Chancengleichheit von Frauen und Männern bedachte Arbeitswelt mit innovativen Arbeitszeit- und Arbeitsplatzmodellen grundlegend. um das Arbeitszeitvolumen von Müttern weiter zu steigern, ihre Qualifikationen zu nutzen und ihren Wünschen nach beruflichem Fortkommen Rechnung zu tragen.“

Hier seien weitere Anstrengungen von Wirtschaft und Politik erforderlich.

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