Interview: Mit eigenem Ausbildungszentrum ausländische Monteure fit machen

auslaendische Monteure ausbilden

Um dem deutschen Fachkräftemangel zu begegnen, müssen sich manche Unternehmen richtig ins Zeug legen. Konstantin Strasser, Geschäftsführer der MEP Werke in München, hat sich ein hauseigenes Rezept gegen die Personalnot geschustert: Um Monteure und Elektriker aus dem Ausland für den deutschen Arbeitsmarkt und sein Unternehmen fit zu machen, hat er Anfang des Jahres ein Ausbildungszentrum aufgebaut, in dem firmeneigene Schulungsleiter die Handwerker aus Kroatien, Griechenland, Polen oder Serbien ausbilden. 

Employland: Herr Strasser, während andere Unternehmen teilweise aus Personalnot ihre Kunden warten lassen oder sogar Aufträge ablehnen müssen, haben Sie Ihre Kundenzahl seit Beginn des Jahres deutlich erhöhen können. Sie setzen auf den gezielten Aufbau festangestellter Fachkräfte.
Offenbar haben Sie keine Probleme, Monteure und Elektriker zu finden?

Konstantin Strasser: Tatsächlich war es mit eine der größten Herausforderungen für uns, ein deutschlandweites Netz an eigenen Montage-Fachkräften aufzubauen. Hierzulande gibt es immer weniger Elektriker. Wir benötigen jedoch überall in Deutschland ausgebildete Fachkräfte, um einen einheitlich hohen Service- und Qualitätsstandard gewährleisten zu können. Auf internationaler Ebene gibt es dagegen sehr viele gut ausgebildete Fachkräfte. Deshalb haben wir uns Ende 2016 dazu entschlossen, insbesondere auch Fachpersonal aus dem Ausland aufzubauen. Dazu haben wir Anfang des Jahres ein standardisiertes Trainings- und Ausbildungszentrum aufgebaut, in welchem wir unsere Monteure und Elektriker selbst ausbilden.

Employland: Und wie genau läuft das ab? Lassen sich Monteure und Elektriker so einfach und schnell ausbilden?

Konstantin Strasser: In unserem Ausbildungszentrum gibt es eine große Halle mit diversen Dachattrappen unterschiedlicher Art und Höhe sowie allen Arten an Zählerkästen. Damit kann die komplette Installation einer MEP Solaranlage unter unterschiedlichen Voraussetzungen trainiert werden. Jeder neue Mitarbeiter wird etwa einen Monat von unseren firmeneigenen Schulungsleitern ausgebildet. Dabei werden unter anderem auch die deutschen Bau-Richtlinien gelehrt, die in der Regel deutlich umfangreicher sind als die Mitarbeiter dies von zuhause kennen. Besonders relevant ist auch der Umgang mit unterschiedlichen Typen von Zählerkästen, die in vielen Haushalten zudem veraltet sind. Anschließend werden die Monteure und Elektriker dann noch etwa drei Wochen lang von erfahrenen Kollegen in der Praxis begleitet.

Etwa 160 Mitarbeiter haben das Trainingszentrum durchlaufen und sind nun festangestellte Mitarbeiter

Employland: Ihr Plan und seine Umsetzung klingen raffiniert, aber auch nach sehr viel Aufwand und Kosten. Andere Unternehmer haben bisher noch nicht auf diese Form der Fachkräftegewinnung gesetzt. Nicht ganz unberechtigt scheint die Sorge, die neuen Mitarbeiter würden nach der Schulung nicht bleiben und die Investition wäre dann umsonst gewesen. Machen Sie sich keine Sorgen?

Konstantin Strasser: Wir haben bislang sehr gute Erfahrungen gemacht. Neue Mitarbeiter einzuarbeiten und auszubilden ist immer eine Investition und das Risiko, dass diese nicht bleiben, besteht bei allen Mitarbeitern. Ob diese aus dem Ausland kommen oder nicht macht da keinen Unterschied. Mit unserem Produkt, der Vermietung von Solaranlagen an Privathaushalte über einen Zeitraum von 20 Jahren, haben wir eine langfristige Beziehung zu unseren Kunden. Da müssen Qualität und Service einfach stimmen. Also investieren wir in unsere Mitarbeiter. Bislang haben etwa 160 Mitarbeiter das Trainingszentrum durchlaufen und sind nun als festangestellte Mitarbeiter für uns tätig. Natürlich gibt es auch Fälle, in denen eine anschließende Zusammenarbeit nicht zustande kommt. Aber bei etwa 80 Prozent aller Schulungsteilnehmer klappt es.

Employland: Auch ist die internationale Suche nach Fachkräften deutschen Unternehmen oft zu aufwendig. Wie finden Sie geeignete Kandidaten? Wie sieht Ihre Suche aus und wie ist die Resonanz?

Konstantin Strasser: Wir rekrutieren vor allem in Ländern, in denen die Qualität der Elektriker-Ausbildung prinzipiell sehr gut ist, sodass wir darauf aufbauen können. In Kroatien, Griechenland, Polen und Serbien beispielsweise gibt es viele gut ausgebildete Fachkräfte, aber ein relativ niedriges Lohniveau. Das Interesse ist sehr hoch, denn wir bieten unseren Mitarbeitern attraktive Konditionen. Sie bekommen bei uns deutsche Arbeitsverträge mit entsprechendem Gehalt, Urlaub und Sozialleistungen.

Employland: Wer trifft die Auswahl, welcher Kandidat geeignet ist?

Monteure
Rund 160 Mitarbeiter haben das Trainingszentrum durchlaufen und arbeiten nun als festangestellte Mitarbeiter für die MEP Werke Foto: MEP Werke

Konstantin Strasser: Die Auswahl treffen wir selbst, da wir selbst am besten wissen, welche Anforderungen sich im Arbeitsalltag ergeben, welche Qualifikationen benötigt werden, etc. Für den Bereich Montage und Zählertausch haben wir ein eigenes Holding-Unternehmen innerhalb unserer Unternehmensgruppe, das sich um all diese Themen kümmert.

Employland: Auch nicht selten gehört von Seiten deutscher Personaler: Die Auslandsrekrutierung dauere so lange. Wie viel Zeit vergeht tatsächlich im Durchschnitt vom ersten Tag der Suche bis zum Arbeitsantritt des neuen Mitarbeiters?

Konstantin Strasser: Wir haben unsere Prozesse mittlerweile soweit standardisiert, dass dies bei uns nur noch etwa einen Monat dauert.

Alle Mitarbeiter aus dem Ausland bekommen von uns kostenlose Deutschkurse

Employland: Und was ist mit den mangelnden Deutschkenntnissen, die viele Unternehmen als ein Hindernis sehen?

Konstantin Strasser: Alle Mitarbeiter aus dem Ausland bekommen von uns kostenlose Deutschkurse, damit die Verständigung mit Kollegen und Kunden auch gut funktioniert.

Employland: Ein Ausbildungszentrum ist Ihnen aber nicht genug – Sie planen weitere entsprechende Zentren im In- und Ausland. Welche Standorte haben Sie im Visier, wie viele Menschen möchten Sie gerne pro Jahr ausbilden, benötigen Sie so viele Mitarbeiter?

Konstantin Strasser: Wir wachsen momentan sehr schnell, haben unsere Kundenanzahl allein seit Jahresbeginn nahezu verdoppelt. Aktuell verbauen wir etwa 2 Megawatt jeden Monat, das sind über 100 Solaranlagen in der Woche. Tendenz steigend. Bis Ende des Jahres wollen wir etwa 100 Teams für die Montage und das Messstellenmanagement aufbauen.

Employland: Ihr Plan ist es dabei, ausländische Fachkräfte nicht nur fachlich zu schulen und sprachlich fit zu machen, sondern auch sie ganzheitlich zu unterstützen. Was genau umfasst das?

Konstantin Strasser: Dazu gehören beispielsweise die Unterstützung bei der Wohnungssuche sowie eine private Altersvorsorge. Für viele der Mitarbeiter bleibt der Lebensmittelpunkt in der Heimat. Deshalb ermöglichen wir ihnen, alle paar Wochen ihre Familien dort zu besuchen. Andere holen ihre Familien nach und machen Deutschland zu ihrem neuen Lebensmittelpunkt. Auch das unterstützen wir natürlich gerne.

Employland: Glauben Sie, Ihren Weg muss bald die Mehrheit der deutschen Handwerksunternehmen gehen?

Konstantin Strasser: Nicht zwangsläufig. Die Herausforderungen, denen wir uns gegenübersehen, sind vor allem darauf zurückzuführen, dass wir deutschlandweit agieren und damit überall im Land Monteure und Elektriker benötigen. Die meisten Handwerksunternehmen in Deutschland sind eher regional unterwegs. Zudem rechnet sich so ein standardisiertes Ausbildungszentrum natürlich erst ab einer gewissen Größe. Generell kann es aber auch für kleine, regionale Betriebe zum Problem werden, wenn keine oder zu wenig Fachkräfte vor Ort verfügbar sind. Da kann es durchaus eine Option sein, auch in kleinerem Maße unseren Weg zu gehen.

Employland: Vielen Dank für das Interview, Herr Strasser. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg für Ihr sehr spannendes Projekt!

Über die MEP Werke:
Die Münchner MEP Werke sind nach eigener Angabe mit ca. 6.500 Kunden Marktführer in der Vermietung von Solaranlagen an deutsche Privathaushalte. Sie übernehmen für ihre Kunden sämtliche Leistungen von der individuellen Planung und Beratung über Montage, Service und Wartung bis hin zur Versicherung über die 20-jährige Mietzeit. Das Unternehmen deckt dabei die gesamte Wertschöpfungskette selbst ab inklusive Logistik, Vertrieb, Finanzierung und Handwerk.

Beitragsbild: MEP Werke

Auch in unserem Blog: Nicht nur im Handwerk, vor allem auch im IT-Bereich herrscht Personalnot – laut Bitkom-Studie ist der Fachkräftemangel das größte Hindernis für die Geschäftsentwicklung deutscher Unternehmen. Auch interessant: In seinem neuen Buch “Kulturbasiertes IT-Recruiting: Warum Headhunter für Ihr Unternehmen überflüssig sind“, geht Frank Rechsteiner der Frage nach, wie IT-Unternehmen – vom Start-up bis zum Konzern – auch künftig die besten Mitarbeiter finden und binden können. Während IT-Unternehmen zu Zeiten des Fachkräftemangels auf Employer Branding und Headhunting als Recruiting-Konzepte setzen, seien diese immer weniger erfolgreich. Rechsteiners Sechs-Punkte-Plan fordert von IT-Arbeitgebern ein radikales Umdenken, um zu erkennen, was Mitarbeiter heute wirklich wollen. Der Autor nutzt seine langjährigen Erfahrungen als Personal- und Strategieberater und untermauert seine Thesen mit Interviews und Praxisbeispielen. Frank Rechsteiner im Interview mit Employland.

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